Hörwelt Intensivstation

„Intensivstationen zählen zu den lautesten und lärmigsten Arbeitsumgebungen in Spitälern überhaupt“, sagt Klaus-Felix Laczika, der sein Leben in den Dienst der Intensivmedizin wie der Musik gestellt hat und u.a. auf eine jahrzehntelange Erfahrung an der Intensivstation 13i2 an der Wiener Universitätsklinik zurückblickt.

„Bereits zu Beginn der 2000er Jahre habe ich mich dem Thema Lärm – als da wären: Alarme und Alarmsignale, Geräusche die durch medizinische Interventionen und Maschinerien wie etwa Beatmungsgeräte entstehen, Lärm durch verbale Kommandos und personalintensive Phasen wie bei Reanimationen, etc. – und insbesondere auch dem Einsatz von Musik auf Intensivstationen beschäftigt.

Gerade das letztere Thema, der sprichwörtliche Ghettoblaster am PatientInnenbett, stellt meines Erachtens ein großes Problem dar und sollte im Hinblick auf eine adäquate Versorgung der PatientInnen mit Stille und Ruhe, die mir ein großes Anliegen ist, grundlegend überdacht werden.

Lärm bedeutet (wie wir alle wissen, aber offenbar oft verdrängen) Stress und neben einer 24/7 Beschallung mit lauter und „aufputschender“ Musik, Werbeschaltungen und Nachrichten kann man schwerlich genesen, speziell dann nicht, wenn man wie auf einer Intensivstation kritisch krank, in seinen Ressourcen daher entsprechend reduziert und vulnerabel ist.

Im Laufe der Jahre kam es durch mein Engagement in diesem Bereich zu zahlreichen Kooperationen. Zu meinen wichtigsten Begleitern meiner diesbezüglichen Arbeit wurden mein Kollege Thomas Staudinger sowie Oliver Peter Graber, der als Spezialist für funktionelle Komposition viel an fachlichem Knowhow zur Frage einbringt, welche Wirkung man mit bestimmten musikalischen Reizen in ZuhörerInnen (und damit auch in unfreiwilligen ZuhörerInnen in Form von sedierten PatientInnen auf Intensivstationen) auslösen kann. Gemeinsam mit ihm habe ich das Thema einige Jahre im Rahmen der Interdisziplinären Plattform für Chronobiologische Forschung (IPCF) an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien verfolgt – seit 2012 arbeiten er und ich darüber hinaus unabhängig von Institutionen an entsprechenden Lösungen.

Mit der Gründung von ludwig-med durch Oliver Peter Graber sehen wir gemeinsam die Gelegenheit und die Notwendigkeit gekommen, das Thema an einen größeren Kreis von FachkollegInnen heranzutragen – denn nur wenn es Stille auf Intensivstationen gibt, kann es auch Raum für intensivmedizinisch relevanten Musikeinsatz (also den Kerngedanken und die Kernkompetenz von ludwig-med) geben: Der Ton bedarf der Pause und der Stille, um sich als Ton kenntlich zu machen und entfalten zu können! Vom „Wirken“ der Töne ganz zu schweigen!

Unser Ziel ist es daher, gemeinsam an musikmedizinischen Lösungen zu arbeiten, die zur Stille rund ums Intensivbett beitragen und dem Begriff „Bettruhe“ wieder zu seinem eigentlichen Sinn verhelfen.

Dank heute verfügbarer Technologien sehen wir dieses Ziel in greifbarer Nähe und freuen uns auf einen beständigen Dialog mit FachkollegInnen aber auch Organisationen.“

Weitere Links:

St. Florianer Brucknertage

Academia.eu

Klaus-Felix Laczika am Steinway, Foto: Julia Stix
KLAUS-FELIX LACZIKA AM STEINWAY, FOTO: JULIA STIX

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